Mag. Elisabeth Halmer | Lebensberatung und Erziehungsberatung in Wien
 
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Online-Beratung / Antwort:

Sehr geehrte Frau Andrea!

Vielen Dank für Ihre Frage und vor allem für Ihr Vertrauen, das Sie mir damit geben.
Ihren Zeilen entnehme ich, dass Ihnen das Verhalten Ihres Sohnes und vor allem die Gefahr, die daraus für Ihre Tochter resultiert, Sorgen bereitet und Ihre Versuche, sein Verhalten zu ändern, bis jetzt nicht erfolgreich waren.

Ihr Sohn zeigt überdurchschnittlich aggressives Verhalten, welches er über eine längere Zeit als für ihn einzige (zielführende) Verhaltensweise erlernt hat. Durch sein Verhalten bekommt er nämlich sehr viel Aufmerksamkeit.

Was könnte die Ursache für seine Aggressionen sein? Paul war ca. 2 Jahre alt als seine Schwester Marie auf die Welt kam. Möglicherweise hat sich damlals eine starke Eifersucht aufgebaut, weil sich durch die Geburt des Geschwisterchens, die Aufmerksamkeit, die er zuvor wahrscheinlich sehr intensiv bekam, plötzlich stark reduzierte. Dies hat er vermutlich nicht nur durch Sie und seinen Vater erlebt, sondern auch durch andere Familienmitglieder, wie die Großeltern. Viele Eltern "vergessen" bei der Geburt des 2. Kindes, dass dies ein sehr einschneidendes Erlebnis für das ältere Kind ist, das sich nun zurückgesetzt fühlt und nicht automatisch über den Zuwachs erfreut ist. Das ältere Kind muss zwar lernen, das es nun ein Geschwisterchen gibt, das auch Zuwendung braucht, sollte aber spüren, dass dieses Kind keine "Gefahr" bedeutet. Paul hatte möglicherweise Angst, er würde nun weniger wichtig für Sie sein und weniger geliebt werden. Kinder können solche Situationen als existenziell bedrohlich erleben. Wichtig ist es, den älteren Kindern auch noch viel Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Dies fällt oft schwer, weil sich der Großteil der Konzentzration auf den Säugling richtet. Meine Hypothese würde auch erklären, warum sich Ihr Sohn im Kindergarten anders verhält - dort hat er die Kränkung / die Zurückweisung nicht erlebt und kann dort eher zur Ruhe kommen als zu Hause wo er tatsächlich um Ihre Aufmerksamkeit kämpft.

Das Verhalten Ihres Sohnes wird sich langsam verändern, wenn er die Schwester nicht mehr als Bedrohung oder Ursache für die reduzierte Aufmerksamkeit erlebt. Um Ihrem Sohn zu helfen, wäre es gut, wenn Sie - aber auch Ihr Mann oder die Großeltern - immer wieder auch alleine mit ihm Zeit verbringen und ihm die Aufmerksamkeit schenken, die er braucht. Es muss auch erleben dürfen, dass seine Schwester nicht immer Vorrang hat, nur weil sie die kleinere ist und vielleicht auch "das liebe Mädchen". Dadurch wird die Eifersucht verstärkt. Widmen Sie z.B. auch vor dem Schlafengehen noch eine gewisse Zeit Ihrem Sohn. Besprechen Sie mit ihm den Tag, zeigen Sie Interesse an seinen Erlebnissen im Kindergarten, lesen Sie ihm eine Geschichte vor.

Bestrafungen, wie Sie sie beschreiben, helfen nicht, um das Verhalten Ihres Sohnen zu verändern - im Gegenteil, Paul wird mit jeder Bestrafung seine Schwester noch mehr ablehnen. Andererseits hat er durch sein aggressives Verhalten natürlich sehr viel Ihrer Aufmerksamkeit - Kindern ist oft lieber bestraft und geschimpft zu werden, als das Gefühl zu haben, zu wenig oder keine Aufmerksamkeit zu bekommen. Ihre Tochter Marie lernt wiederum, dass genau dieses Verhalten, das sie am Bruder beobachtet, auch ihr Aufmerksamkeit garantiert und deswegen beginnt sie es nachzuahmen!
Versuchen Sie, wenn ihr Sohn das nächste Mal aggressiv reagiert, ihn zwar aus der Situation rauszunehmen, ihm zu sagen, das geht nicht und gehen sie, wenn nötig und möglich, gemeinsam mit ihm in einen anderen Raum. Lassen Sie ihm in passenden Situationen auch immer wieder einmal das "Vorrecht des Älteren" spüren. Oft werden unbewusst die kleineren Kinder bevorzugt und von den älteren wird erwartet, vernünftiger und geduldiger zu sein. Dabei wird vergessen, dass aber auch 4-,5-,6-jährige Kinder eben noch Kinder und keine "vernünftigen Erwachsenen" sind. Wenn es beispielsweise das nächste Mal Schokolade gibt, dann lassen Sie ihn (mit ihrer Hilfe) die Süßigkeit gerecht teilen (fragen Sie ihn "Was ist die Hälfte?") und dann gibt er die Hälfte der Schwester. Loben Sie ihn dafür und schimpfen Sie nicht, wenn er zu schummeln beginnt, sondern stellen Sie einfach die Sache richtig. Schenken Sie dem erwünschten, nicht dem unerwünschten Verhalten die Aufmerksamkeit!

Anstelle von Strafen, sollten "logische Folgen" gesetzt werden. Wirft Ihr Sohn mit einem Spielzeug durch die Gegend, dann wird das Spielzeug entfernt und Sie erklären kurz warum. Bleiben Sie konsequent! Wenn Sie sagen, dass Spielzeug ist für heute weg, dann ist es für diesen Tag auch weg! Versuchen Sie, in diesen Situationen so ruhig wie möglich zu bleiben und nicht aggressiv zu reagieren. Damit Ihnen das gelingt, denken Sie daran, dass Ihr Sohn nicht aus Bosheit so reagiert sondern aus tiefer Kränkung, Traurigkeit und/oder Angst. Wenn Sie Ihr "Ziel" durch Aggression erreichen, dann lernen Ihre Kinder, dass es sich dabei um eine gute Strategie handelt, die sie ebenfalls anwenden müssen, um erfolgreich zu sein!

Bemühen Sie sich darum, erwünschtes/positives Verhalten Ihres Sohnes mit Aufmerksamkeit und Lob zu bekräftigen. Wenn z.B. Marie etwas nicht kann (ein Spielzeug vom Schrank nehmen, weil es zu hoch oben ist), dann ermutigen Sie Ihren Sohn das Spielzeug zu nehmen - führen Sie ihn anfangs bei der Hand und übergeben Sie mit ihm gemeinsam das Spielzeug! - dann loben Sie ihn und sagen Sie mit Ihrer Tochter ein lautes Danke.

Ich hoffe, Ihnen mit meinen Ausführungen weiterhelfen zu können. Sollten Sie weitere Fragen haben oder noch Hilfe in konkreten Situationen brauchen, dann lade ich Sie ein, sich wieder bei mir zu melden.

 
 
© 2010 Mag. Elisabeth Halmer
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